Zum Uni-Fasching 2002 trug ich ein selbstgebasteltes (Katzen-)Kostüm. Ich bekam daraufhin einige Angebote dieses zu verkaufen, sowie mehrere Nachfragen nach einer Bauanleitung.
Eine wichtige Bemerkung zu Anfang: Ein solches Kostüm braucht viel Zeit und man sollte sich schon einige Monate (ja: Monate) vorher überlegen, woher die Materialien zu beziehen sind.
Kunst-Fell ist Saisonware und oft nur in wenigen Farben und Haarlängen zu bekommen (ich hatte die Wahl zwischen rosa und geflecktem Fell).
Eigentlich hatte ich einen Wolf geplant; die Einschränkung der Fellfarbe machte dies allerdings zunichte (ist allerdings schon fürs nächste Jahr vorgemerkt und ich bin bereits bei den Vorbereitungen - die Grundform des Kopfes ist bereits fertig).
Die Konstruktion lässt sich in zwei Teile gliedern: Kopf und Körper
Für den Kopf wurden benötigt:
· Eine Rolle Drahtgitter (ca. 1 m x 60 cm)
· Aluminium-Profile und -Stangen (Zwei Profile 15 mm x 3 mm x 1 m und eine 1 m lange Stange mit 4 mm Durchmesser)
· Silber-Draht (zum Vernähen des Drahtgitters)
· Eine Tube Silikon (weiß - für die Zähne, noch besser eignet sich FIMO zum Modellieren)
· Schwarze, braune, fleischfarbene und grüne Glasmalfarbe (für Nase, Zahnfleisch, Zunge und Augenrand)
· 1 qm Kunstpelz
· 1 Großpackung Heißklebepatronen (wurde bis zur letzten aufgebraucht)
· Halber Meter schwarze Federboa (andersfarbiges Fell war keines aufzutreiben - für Ohren und Augenbrauen)
Das Aluminiumprofil wurde zuerst in zwei Teile geschnitten und frei Hand entsprechend der Kopfform gebogen. Anschließend wurden die Stangen eingezogen um die Grundform zu bestimmen, auf deren Basis dann das Drahtgitter befestigt wurde. Um die Proportionen dennoch nicht zu unrealistisch werden zu lassen, benutzte ich einige Vorlagen für die Kopfform (zwei Bilder von gefleckten Katzen, sowie ein von mir gerendertes 3D-Modell). Die einzelnen Drahtgitterstücke wurden miteinander mit Draht vernäht (das Material war nicht flexibel genug und musste deswegen in mehrere Teile geschnitten werden).
Eigentlich sollte dieser Drahtkäfig nur die Halterung für eine gepolsterte Stoffhülle werden, da ich aber nur drei Tage für die Konstruktion erübrigen konnte, entschied ich mich das Fell direkt auf das Drahtgitter aufzubringen. Deswegen wirkt die Schnauze viel zu flach und die Wangen zu schmal (zumindest meiner Meinung nach).
Anfangs hatte ich das Innere des Kopfes mit Filz ausgeschlagen, welchen ich allerdings in der Zwischenzeit wieder entfernt habe (Schaumstoffstreifen genügen zur Polsterung und es wird nicht mehr so warm, da nun die erwärmte Atemluft durch die Ohren entweichen kann).
Die Augen wurden aus dem Maschdraht ausgeschnitten und die Ränder mit Plastik-Kabelband (erhältlich zur Kabelfixieren für Modelleisenbahnen) verstärkt. Als Vorlage für die Augenform benutzte ich zwei Brillengläser (aus meiner alten Sportbrille).
Der Unterkiefer wurde separat erstellt und an den seitlichen Alustreben aufgehängt (etwa da, wo auch ein richtiger Kiefer seinen Drehpunkt hat). Er ist seitlich aushängbar (befestigt an einem Haken und am Kinn anliegend). Ein Gummiband schließt das Maul, solange ich meinen Mund geschlossen halte (nicht komplett um die Luftzirkulation nicht zu unterbrechen - die Zähne fungieren als Abstandshalter).
Die Zähne wurden aus Drahtgitter modelliert und mit Silikon überzogen. Ich werde diese allerdings bald ersetzen. FIMO eignet sich viel besser zum modellieren feinster Strukturen.
Das Kunstfell wurde passend zurechtgeschnitten und mittels Heißkleber aufgebracht. Man sollte dabei eine gut dosierbare Heißklebepistole verwenden (bei manchen älteren oder auch billigeren Modellen kann man die austretende Klebermenge nicht steuern).
Nase, Augenrand, Zahnfleisch und Zunge wurden zuletzt aus Glasmalfarbe erstellt (die dickflüssige Version für Ränder verwenden). Für die Innenseite der Ohren und der Augenbrauen wurde eine Federboa zurechtgeschnitten. Die Schnurrhaare bestehen aus dicker Angelschnur.
Für den Körper wurde folgendes verwendet:
· 3 m Kunstpelz (es blieb noch über ein Meter übrig)
· Eine große Spule Nähgarn
· Ein Reißverschluss (70 cm)
· 1 m breiter und 1 m schmaler Hosengummi
· Sternzwirn
· Ein paar schwarze Stoff-Handschuhe
· 1 m Schaumstoffrohr-Ummantelung (Füllung für den Schwanz)
· Ein Gürtel
· Ein paar Stoffhausschuhe mit Ledersohle
Als Vorlage für den Körper wurde ein zweiteiliger Sportanzug verwendet
(Jacke und Hose wenden und die Maße abnehmen). Beim Zuschneiden des Felles
ist darauf zu achten, immer die Stoffrichtung gleich zu halten (von oben nach
unten). Zuerst die Einzelteile nur anheften und beim Anprobieren genauer abstecken
(nicht zu eng - etwas Bewegungsfreiheit muss sein). Für den richtigen Sitz
sorgen die Hosengummis (die breiten kommen als Steg ans Hosenbein). An die Rückseite
der Hose wurde außen eine Fellschlaufe angenäht, um dem Schwanz mehr
Stabilität zu geben.
Für den Schwanz wurde ein Fellschlauch genäht und mit einer stark zusammengepressten und mit Draht umwickelten Schaumstoffrohr-Ummantelung gefüllt. Das ganze wurde dann durch die Schlaufe an der Hose gesteckt, am Gürtel befestigt und dieser wiederum unter der Jacke geschlossen.
Nach dem ersten Probetragen zeigten sich einige Schwachstellen, wobei die einzig nennenswerte wohl das Aufheizen der Innentemperatur durch meine eigene Atemluft war. Um dem vorzubeugen baute ich noch einen kleinen Ventilator in die Schnauze ein (9-Volt-Batterie im Unterkiefer unter der Zunge).
Alles im allen hat mich der Spaß ca. 150 Euro gekostet, was der 300 Euro Gutschein, den ich dafür bei der Kostüm-Prämierung gewonnen habe, mehr als wettgemacht hat.
Verbesserungen für zukünftige Projekte:
· Zähne aus FIMO modellieren
· Drahtgitter leicht schräg nach vorn zu meiner Kopfform anlegen (lässt den Kopf viel flacher erscheinen)
· Ventilator gleich bei der Planung berücksichtigen
· Bewegliche Schnauze, Augenbrauen und Ohren (über Seilzüge, bzw. Servos)
· Realistischere Augen aus durchsichtigen Plastik-Halbkugeln (evtl. genügend Platz für eine Brille lassen)
· Kunstfell mit Textil-Kleber auf Stoffhülle aufbringen (ist viel sauberer als Heißkleber und es ist leichter die kleinen Fellstücke nahtlos aneinander zu fügen)
· Fell mit verschiedenen Haarlängen verwenden (vielleicht auch mehrere Farbschattierungen)
Was daraus geworden ist wird in troja 28 zu sehen sein.