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Markus G. Nowak

Die diesjährige Systems zeigte sich von einer sehr ruhigen Seite. Einige Aussteller hatten aus Angst vor Attentaten abgesagt und so gab es diesmal einige ungenutzte Flächen. Zahlreiche Besucher hatten sich offenbar auch abschrecken lassen, so dass die Spezies "Beutelratte" diesmal in der Minderheit war. Ein willkommener Nebeneffekt: es war diesmal viel einfacher einen Ansprechpartner bei den Firmen zu finden, der nicht gerade mit "kann ich das mitnehmen"-Fragen beschäftigt war.

Das Fehlen von großen Firmen wie SUN oder Oracle war zwar nicht ideal, kann aber durch deren Web-Präsens aufgefangen werden (nur schade dass man sich diesmal keinen direkten Ansprechpartner suchen konnte).

Viele Neuerungen gab es nicht (wäre auch das erste Mal gewesen). Allerdings haben insbesondere kleinere Hersteller sehr interessante Produkte (besonders für Studenten) entwickelt.

Multimedia-Präsentation mit dem Multivisor

Bild: MultivisorDie Firma SVV zeigte eine Mischung aus Overhead-Projektor, Beamer und Multimedia-PC, abgestimmt auf die Bedürfnisse von Lehren- und Lernenden durch möglichst einfache Bedienung, robuste Verarbeitung und gute Erweiterbarkeit. Der Studentenzeitung troja wurde dieses Gerät (bezeichnet als Multivisor - Vollbild-Version) für Tests zur Verfügung gestellt.

Auf den ersten Blick fällt die Verwandschaft zum Oberhead-Projektor auf, was Firmenkunden, die auch bei Bürogeräten oft moderne Designs bevorzugen, wohl eher abschreckt (die Standard-Farbe des Gehäuse ist übrigens türkis - nach Auskunft des Vertriebs ist auf Wunsch auch jede andere Farbe möglich). Dies ist allerdings beabsichtigt, da das Gerät auch besonders für den Einsatz in Schulen gedacht ist, also für Personen, die bereits an den Umgang mit einem Overhead-Projektor gewöhnt sind. Der Zweck dieses Designs ist es auch computerfeindlich eingestellte Zeitgenossen an das Gerät zu gewöhnen - die Lampe funktioniert wie gewohnt und von da ist es nur ein kleiner Schritt auch den Computer einzuschalten.

Zur Technik: Der Computer ist in einem Einschub unter dem Projektor untergebracht, welcher auch separat betrieben werden kann. Eingesetzt wird ein Standard-PC (in Schulen übliche Prozessorgeneration, DVD-Laufwerk, Soundkarte, Aktiv-Boxen, TV/Videokarte, Grafikkarte für Dual-Monitor-Betrieb …), welcher gute Erweiterungsmöglichkeiten bietet (mehrere freie PCI-Steckplätze).

Multivisor erweiternEine Steckkarte kann ohne Werkzeug eingesetzt werden (ein Schlüssel und das Lösen einer Rändelschraube genügt, um den Einschub halb aus dem Gehäuse schieben zu können; zwei weitere Schrauben verhindern das Herausfallen des Einschubes). Das im Gehäuse integrierte TFT SVGA Durchlicht-Display arbeitet unter 800x600 Bildpunkten, ist also beispielsweise für PowerPoint-Presentationen oder DVD-Wiedergabe völlig ausreichend. Ein zweiter Monitor kann bei der eingebauten Grafikkarte zudem gleichzeitig unter höherer Auflösung betrieben werden. Eine USB-Kamera ist auch im Lieferumfang enthalten. Besondere Erwähnung verdient noch der Polarisationsfilter, welcher es mit einem Dreh erlaubt, das Computerbild zu invertieren (z.B. aus einer schwarzen Webseite mit weißer Schrift eine weiße Seite mit schwarzer Schrift zu machen) und durch Wegschwenken des Filters dieses (fast) ganz verschwinden zu lassen.

Zur Software: Das Gerät wurde mit Windows 98 SE ausgeliefert, wobei bei der Konfiguration Wert auf Stabilität gelegt wurde. Hard- und Software waren gut aufeinander abgestimmt (blaue Bildschirme oder Abstürze zeigten sich keine - trotz umfangreichster Test). Windows 95, Windows 95a, Windows 95b, Windows 95c, Windows 98, Windows ME, Windows NT 4.0, Windows 2000, Windows XP, Linux oder OS/2 sind auch als Betriebssystem möglich.

Der einzige negative Punkt des Tests war ein Defekt in der Lampen-Elektronik, der allerdings schon nach einem halben Tag repariert wurde (das Testgerät war noch fabrikneu, wurde entgegen der üblichen Praxis sofort ausgeliefert, um noch den Test für diese troja-Ausgabe zu ermöglichen).

Projektion einer Webseite auf WandDer Einsatz des Gerätes in der Praxis: Der markanteste Unterschied dieses Gerätes zur Arbeiten mit Beamer und Laptop ist wohl der geringere Aufwand, bis das Gerät einsatzbereit ist. Es wird lediglich eine Steckdose für die Stromversorgung benötigt. Alle externen Komponenten (USB-Kamera, Maus, Tastatur, Lautsprecher) finden auf dem mitgelieferten Wagen Platz. Vorder- und Rückseite des Computers sind mit einer abschließbaren Metalltür versehen. Maus und Tastatur sind auch als drahtlose Versionen zu haben, um auch die letzte Möglichkeit eines Kabelsalats zu vermeiden.

Das eigentliche Aufstellen gestaltet sich problemlos: Strom anstecken, die Lampe und den Computer einschalten (zwei separate Schalter um auch den Projektor zur reinen Folienpresentation - ohne Computer - nutzen zu können). Unter dem Gerät kann auch ein Videorekorder installiert und das Video-Signal durch die TV-Karte direkt projiziert werden (Software dafür wird mitgeliefert).

Nur für eines eignet sich der Multivisor nicht: Audio-Aufnahme. Der Lüfter des Projektors erzeugt dafür ein viel zu hohes Hintergrundgeräusch. Wer so etwas machen will, der muss die Lampe ausschalten und einen externen Monitor verwenden (das PC-Netzteil ist allein recht leise).

Multivisor USB-KameraEinige Presentations-Methoden werden erst durch diese Hardware-Kombination überhaupt möglich: beispielsweise die gleichzeitige Arbeit mit Computerbild und Folie oder das Abfilmen einer Grafik aus einem Buch mittels der USB-Kamera und die Projektion dieses Bildes auf einer erheblich größeren Leinwand.

Es sind derzeit zwei Grundausstattungen im Angebot: Standard und Vollbild. Die Standard-Version kann im Gegensatz zur Vollbild-Version keine unterschiedlichen Bildinhalte auf Projektor und Monitor darstellen (PCI- statt AGP-Grafikkarte), Videos im 352x288 Pixel Fenster abspielen (statt Vollbild - Rahmenlos) und wird mit CD-ROM statt DVD-Laufwerk ausgeliefert.

Der Preis der Standardausführung wurde mit DM 9850,- beziffert, die Vollbildausführung kostet DM 980,- mehr und der passende Tisch DM 360,-. Weitere PC-Steckkarten können auf Wunsch gleich eingebaut werden.

Weitere Informationen zum Multivisor gibt es unter www.multivisor.de.

PC-Schutz als Hardwarelösung

Am gleiche Stand, und quasi als idealer Zusatz zum Multivisor, gab es noch einen PC-Schutzsystem auf Hardware-Basis, hergestellt von dem Dr. Kaiser Systemhaus.

Der PC-Wächter ist eine Steckkarte, die sowohl das Betriebssystem und andere Programme als auch System- und Desktop-Einstellungen vor unerwünschten Manipulationen schützt (auch BIOS-Einstellungen). Die Bedienung ist sehr einfach, es gibt keine Einschränkungen der Funktionen des Betriebssystems oder anderer Programme, bietet aber trotzdem hohe Sicherheit.

Wie funktioniert der Schutz? Bei der Installation sucht sich der PC-Wächter freien Speicherplatz auf der ersten Festplatte (Laufwerk C:\), wählt einen optimalen Bereich und versteckt diesen. Alle Schreibzugriffe werden fortan auf diesen Bereich umgelenkt. Dadurch bleibt die ursprüngliche Konfiguration des Rechners erhalten. Wie oft der temporäre Bereich gelöscht wird ist einstellbar (z.B. bei Systemstart oder auch erst manuell durch den Administrator). Bei einem Lese-Zugriff auf das Laufwerk wird überprüft, ob dieser Sektor bereits geändert (also beschrieben) wurde und gegebenenfalls in den versteckten Bereich umgeleitet.

Es gibt also keine Einschränkungen für den Benutzer. Programme können weiterhin installiert werden. Wird der temporäre Bereich oft genug gelöscht, so ist dies auch ein gutes Mittel zum Virenschutz (die eigentlichen Daten auf der Platte erreicht ein Virus nie, nur den temporären Bereich). Besonders gegen neue, unbekannte Viren ist dies ein wirkungsvoller Schutz, den die neueste Virenschutzsoftware nicht bietet. Lediglich bei der Installation neuer Software (bei ausgeschaltetem PC-Wächter) sollte man einen aktuellen Virenscanner einsetzen.

Da nur für temporäre Daten Platz benötigt wird und nicht die ganze Festplatte gesichert werden muss, hält sich der Speicherplatzbedarf in Grenzen (nach Aussage des Hersteller reichen meist 70 MB für den versteckten Bereich aus - die Festplatte sollte allerdings vor dem Einbau defragmentiert werden).

Die Funktionen des PC-Wächters sind auch bei Systemen mit mehreren installierten Betriebssystemen nutzbar (ein integrierter Bootmanager ist vorhanden und für jede Bootpartition können eigene Einstellungen getroffen werden).

Es gibt drei verschiedene Ausführungen der Steckkarte: ISA, PCI und integriert auf einer Netzwerkkarte (um einen Steckplatz einzusparen). Eine Softwareversion ist ebenfalls erhältlich (diese ist allerdings nicht so sicher wie die Hardware-Variante). Die PCI-Version mit integrierter Netzwerkkarte kostet DM 149,00 inkl. MwSt. (laut Prospekt des Herstellers).

Weitere Informationen und Erfahrungsberichte von Benutzern gibt es auf der Homepage des Herstellers unter www.dr-kaiser.de. Der PC-Wächter kann von dort auch zum unverbindlichen Test angefordert werden.

 

PC-Wächter


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