Videoaufnahme auf dem PC


Markus G. Nowak

Neulich in den lichtscheuen Weiten des Informatikerdaseins:

1.00 Uhr: Endlich! Der letzte Mausklick, Datei gespeichert, Schluss für heute.
1.20 Uhr: … Mist, der Kaffee war doch etwas zu stark.

Zeit für ein gutes Schlafmittel (laufen nicht irgendwelche Soaps im Fernsehen?). Beim Zappen in den Kanälen flimmert plötzlich ein bekannter Steifen über die Mattscheibe (und wo ist jetzt die leere Videokassette?). Vor einem Jahr hätte hier die verzweifelte (und meist erfolglos endende) Suche nach der Kassette begonnen. Heute genügt, die richtige Hardware vorausgesetzt, ein Mausklick.

Mittels einer handelsüblichen Fernsehkarte können Videos gleich digital gespeichert werden. Die meisten TV-Aufnahmeprogramme bieten schon die Möglichkeit zur AVI-Aufnahme, wie z.B. WinTV 2000. Die dabei angewandte Komprimierungsmethode (Video-Codec - coding und decoding Algorithmus) ist Geschmacks-, und teilweise auch Rechtssache.

Die höchste Kompression während der Aufnahme, bei annähernder VHS-Qualität, erreichen DivX;-) oder der Microsoft MPEG-4 v3 Codec. Beide sind allerdings streng genommen illegal. DivX;-) basiert auf dem Microsoft MPEG-4 v3 Codec. Dieser wurde im endgültigen Release von Microsoft mit einem Schutz versehen, welche das Erstellen von AVI-Dateien verhindert.

Wer es sich (vom Festplattenplatz her) leisten kann, sollte einen kostenlosen Codec, wie MJPEG verwenden, welcher die Einzelbilder als JPEG komprimiert und hintereinander in die AVI-Datei schreibt (befindet sich beispielsweise im Lieferumfang des kostenlosen Editing-Tools VirtualDUB). Die maximale Dateigröße (2GB) sollte man aber auch nicht vergessen. Es bleibt die Qual der Wahl: Einen Film in mehreren Teilen aufnehmen, die Qualität reduzieren (Bildgröße, Einzelbilder pro Sekunde, Kompression) oder einen anderen Codec verwenden.

Zwei Stunden Film passen mittels MPEG-4 Codec leicht auf eine CD - zumindest auf einen 800ter Rohling, wenn man etwas bessere Bildqualität braucht, wie bei Filmen mit kleinen Untertiteln.

Aufnahmetest (Actionfilm) - Echtzeitaufnahme:

320x240 Pixel, 15 Bit RGB, 15 Frames pro Sekunde, Aufnahmelimit 300 Sekunden, 4511 Einzelbilder (4 Minuten 52 Sekunden)

Verwendeter PC: AMD K6-2 400, 64 MB Hauptspeicher, 40 GB IBM HD, S3 Trio 8 MB, WinTV PCI, Windows 98 Second Edition

Software: Microsoft Media On-Demand Producer 7, WinTV 2000, VirtualDub 1.4d, RealMedia Encoder 8

Verwendeter Codec

Systemauslastung bei der Aufnahme

Dateigröße (ca.) in MB

Unkomprimiert

Zwischen 10% und 15%

1000

Microsoft MPEG-4 v3 (ASF)

Zwischen 40% und 55%

26

DivX ;-) (Fast Motion)

Zwischen 50% und 60%

18

Cinepak

Echtzeitkomprimierung nicht möglich (Systemauslastung 100% - Renderrate 3 Frames pro Sekunde)

-

Indeo Video

Echtzeitkomprimierung nicht möglich (Systemauslastung 100% - Renderrate 6 Frames pro Sekunde)

-

OpenDivX 4 beta

Echtzeitkomprimierung nicht möglich

-

MJPEG (60%)

Zwischen 15% und 25%

82

RealMedia 8 (ISDN)

Zwischen 80% und 90%

38

Zum Abspielen reicht für Cinepak, Indeo Video, DivX;-) und MJPEG ein K6-2 300 (oder genauer: ein Computer mit MMX-Prozessor - ohne MMX sieht man höchstens ein Bild pro Sekunde). OpenDivX benötigt höhere Rechnerleistung Pentium III ab 500MHz.

Wer den MJPEG-Codec benutzt, kann den Film ja mittels des Real Encoders 8 (kostenlos für bis zu 25 Filme) oder des Windows Media Encoders in ein etwas platzsparenderes Format bringen. Die Qualität einer DivX;-)-Aufnahme kann noch erhöht werden (nicht bei Echtzeitaufnahme). NanDub, ein VirtualDub-Ableger, bietet umfangreiche Optimierungsmöglichkeiten für dieses Format (2-Pass Encoding, siehe http://doom9.org/nandub.htm).

Zu guter letzt soll noch das MPEG 2-Format erwähnt werden - nicht wegen seiner guten Kompression, sondern weil es das Format für VideoCDs ist. Die Dateien werden etwa doppelt so groß wie die DivX-Variante (120 Minuten passen gerade auf zwei CDs). Diese CDs können sowohl im PC (Player sollte mit auf die CD geschrieben werden - Nero oder Easy CD Creator unterstützen dies), wie auch mittels eines VideoCD-Players abgespielt werden.

Wer häufig Filme aufnimmt, kann so einiges an Geld sparen, denn Videokassetten sind immer noch um einiges teurer als CD-Rs; und ein Videorecorder ist auch nicht zum Preis einer Fernsehkarte zu haben.

Ich jedenfalls nehme immer öfter mit dem PC auf, da CDs auch viel weniger Platz als Videokassetten brauchen, was gerade für die wöchentliche Heimfahrt nicht schlecht ist.

 

Übersicht Komprimierungsarten
(für Live-Aufnahme)

für weitere Informationen (und Software) siehe:

http://www.icanstream.tv/CodecCentral/index.html
http://www.divx-digest.com/

Microsoft MPEG-4 v3

Die ersten Versionen des Microsoft Media Encoders (Beta-Stadium) enthielten eine DLL (mpg4c32.dll), welche es möglich machte die MPEG-4 v3 Kompression auch auf AVI-Dateien anzuwenden. Die Benutzung dieser Komponente wurde mittlerweile auf ASF-Videos eingeschränkt.

DivX;-)

Durch "reverse Engeneering" des Microsoft MPEG-4 v3-Codecs entstanden, also illegal. "DivX Low-Motion" entspricht dem Microsoft MPEG-4 v3-Codec. "DivX Fast-Motion" entspricht dem Microsoft MPEG-4 v2-Codec.

Die verantwortlichen Hacker sind übrigens dabei, einen nicht Microsoft basierenden (legalen) Codec zu entwickeln (http://www.projectmayo.com/). Dieser OpenDivX genannte Codec kann jedoch nicht zum Codieren in Echtzeit (Live-Aufnahme) verwendet werden.

AngelPotion Video Codec

Vereinigt die Funktionalität von Microsoft MPEG-4 v3 und DivX. Er entstand ebenfalls aus einem Microsoft Hack, daher ebenfalls illegal. (http://www.angelpotion.net/)

MJPEG

JPEG Einzelbilder werden nacheinander in eine AVI-Datei geschrieben. Dieser Codec ist legal, erzeugt aber vergleichsweise große Dateien (http://morgan-multimedia.com/). MJPEG wird auch noch von anderen Herstellern angeboten, ist ohne Werbeeinblendung ist allerdings kostenpflichtig (ca. 15 USD).


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