Wie kommt mein Foto in den Computer?

Die Riege der Filmscanner


Brigitte Märkl

Wer selbst fotografiert, der kennt sicherlich den Wunsch, seine Bilder im Rechner bearbeiten zu können. Entweder um daraus ein kleines Kunstwerk zu machen oder einfach um Grußkarten, Kalender, T-Shirts und ähnliches damit zu verschönern. Natürlich kann man die Papierabzüge von Farb- oder Schwarz-Weiß Negativen über einen Flachbettscanner digitalisieren. Und auch zum Scannen von Dias gibt es entsprechende Aufsätze - aber ehrlich gesagt, die Qualität läßt dann zu wünschen übrig.

Wer seine Bilder qualitativ hochwertiger auf die Festplatte bannen will, der greift sehr schnell zu einem der speziellen Filmscanner. Diese Geräte verarbeiten dann direkt die Negativstreifen und meist wird auch ein Diaadapter mitgeliefert.

Wir haben uns auf der CeBIT ein bißchen in der Welt dieser Scanner umgesehen. Da wir seit ca. 2 Jahren mit einer APS (Advanced Photo System) Spiegelreflexkamera unterwegs sind, hat uns natürlich ganz besonders interessiert, ob es auch dafür geeignete Geräte gibt. Denn ein entwickelter APS-Film kommt nicht in Streifen oder Rahmen aus dem Labor zurück, sondern ist wieder sicher in seiner Patrone verpackt. Rausziehen ist da nicht drin! Damit keiner der Aussteller mit der Ausrede "Wir haben aber keinen entwickelten APS-Film am Stand!" kommen konnte, hatten wir selbstverständlich eine Patrone eingepackt.

Auf einem APS-Film können zu jedem Bild die Belichtungsdaten wie Blende, Verschlußzeit, Belichtungsituation (Gegenlicht...), etc. auf eine spezielle Magnetschicht aufgezeichnet werden. Diese Daten bieten sich zum Auslesen geradezu an. Damit erübrigt sich dann das lästige Mitschreiben dieser Daten auf dem Notizblock. Aber zu unserem Leidwesen mußten wir feststellen, daß kein einziges der von uns begutachteten Geräte dieses Feature bereits nutzt. Hoffentlich setzt sich bald die Einsicht durch, daß dies bei der Realisierung der APS-Adapter und der Treibersoftware nur einen unwesentlichen Mehraufwand bedeutet, aber für semi- und professionelle APS-Benutzer ein wichtiges Verkaufsargument ist.

Die folgenden Kurzportraits sollen einen kleinen Überblick über APS-taugliche Filmscanner geben. Alle Geräte können, wenn nicht anders angegeben, normale Fotonegative und Dias scannen. Vielleicht können wir Euch dann in der nächsten Ausgabe unseren persönlichen Favoriten etwas ausfühlicher vorstellen.

Nikon Supercoolscan LS-2000

Der Supercoolscan läuft noch etwas außer Konkurrenz, da sich Gerät und zugehörige Software zur CeBIT noch im Beta-Stadium befanden. Der Scanner verarbeitet mit dem speziellen APS-Adapter (als Sonderzubehör erhältlich) auch APS-Kartuschen. Wer große Mengen gerahmter Dias scannen will, der sollte sich die Diazufuhreinheit zulegen, die mit bis zu 50 Dias gefüllt werden kann.

Der SCSI-II Scanner liefert eine Auflösung von 2700 dpi. Die einzelnen Adapter können gewechselt werden, ohne Scanner oder Software neu starten zu müssen. Zusätzlich zur Treibersoftware wird ein Tool namens ImageFix mitgeliefert. In beeindruckender Weise können durch Reliefabtastung des Films Fingerabdrücke, Staub und Kratzer vollautomatisch aus dem Bild entfernt werden.

Die APS-Patronen werden automatisch vor bzw. zurückgespult. Leider konnten wir nicht viel im APS-Bereich sehen, da dort das oben bereits erwähnte Beta-Stadium noch extrem ausgeprägt war und wir froh waren, daß unsere mitgebrachte Patrone wieder aus dem Magazin rauszukriegen war. Unser Eindruck war aber alles in allem gut. Allerdings hat das ganze dann auch einen stolzen Preis von DM 4.300,- plus DM 400,- für den APS-Adapter.

Fuji Image Scanner AS-1

Der AS-1 ist ein spezieller APS-Scanner. Deshalb könnte man ja meinen, daß hier die Bedürfnisse von APS-Freaks besondere Berücksichtigung finden. Leider ist dem nicht so. Schon alleine durch die Auflösung von 1667 dpi (im Grünbereich) und 834 dpi (im Rot- und Blaubereich) qualifiziert sich der Scanner ab. Da fällt der Anschluß über den Parallelport schon gar nicht mehr negativ auf. Einzig der automatische Filmtransport hat uns gefallen.

Olympus ES-10

Der ES-10 von Olympus ist ein "normaler" Filmscanner, für den ein APS-Adapter als Sonderzubehör erhältlich ist. Mit seinen 1770 dpi Auflösung und dem Anschluß über den Parallelport gehört auch er wegen der niedrigen Auflösung zu den uninteressanten Geräten. Wie der AS-1 kann auch der ES-10 den APS-Film automatisch transportieren. Das Gerät kostet ca. DM 1000,-, der APS-Adapter ca. DM 200,-.

Epson FilmScan 200

Der FilmScan 200 ist ein SCSI-Gerät, für den ein APS-Adapter erhältlich ist. Leider bietet er mit 1200 dpi die geringste physikalische Auflösung der begutachteten Geräte. Die APS-Kassette spult den Film automatisch vor bzw. zurück. Man kann nur hoffen, daß Epson bald einen Nachfolger mit deutlich höherer Auflösung bringt.

Canon CanoScan 2700F

Mit 2700 dpi Auflösung und einer SCSI-II Schnittstelle gehört der CanoScan 2700F (DM 1.400,-) wieder zu den interessanteren Geräten. Für APS-Freunde gehört er trotzdem nicht zur engeren Wahl. Der Grund liegt in der APS-Kassette aus billigem Plastik, die den Film nicht einmal automatisch transportiert.

Wenn man den Film eingelegt hat, muß man erst einmal an der kleinen Kurbel soweit drehen, bis das Bild im vorgesehenen Rahmen korrekt positioniert ist. Dann kann man die Kassette in den Scanner schieben und das Bild einscannen. Will man jetzt das nächste Bild einlesen, dann bleibt einem nichts anderes übrig, als den Adapter aus dem Scanner zu ziehen, an der Kurbel zu drehen, zu beachten, daß das Bild richtig positioniert ist und dann den Adapter wieder ins Gerät zu stecken und zu scannen. Das bearbeiten eines APS-Films mit 40 Bildern wird so leider zur Horrorvision.

Liebe Canon-Entwickler: Entweder richtig oder bleiben lassen!

Minolta Dimƒge Dual Scan

Der Dimƒge Dual Scan wird über eine SCSI-II Schnittstelle angeschlossen und scannt mit 2438 dpi Auflösung, und er scannt schnell und gut! Der APS-Adapter auch hier optionales Zubehör. Die Kassette ist einfach zu bedienen und macht einen guten Eindruck. Die Software ist gut integriert, übersichtlich und einfach zu bedienen. Sie ermöglicht es auch, eine beliebige Auswahl der Bilder zu markieren und diese dann im Batchbetrieb zu scannen. An diesem Paket gibt es kaum etwas zu bemängeln. Leider waren auch hier die Entwickler im APS-Bereich noch nicht letztendlich konsequent, denn auch der Dimƒge Dual Scan kann die Belichtungsdaten des APS-Filmes nicht auslesen. Für ca. DM 1.000,- plus DM 200,- für den APS-Adapter ist dieses Gerät für den ambitionierten Hobbyfotografen und Computerfreak wohl zur Zeit das Nonplusultra.

Soweit unser kleiner Streifzug durch die APS-Scanner Welt. Vielleicht können wir Euch in der nächsten troja dann unseren persönlichen Favoriten - den Dimƒge Dual Scan von Minolta - etwas ausführlicher vorstellen.

 

[Rubrik: Hardware]


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