Temperaturfeld (3-D Einarbeitung)
Das vorliegende Übungsbeispiel ist
in folgende Punkte gegliedert:
Lernziel
1
Aufgabenstellung
2 Idealisierung
3 Das Preprocessing
4 Die Lösung
5 Das Postprocessing
6 Abschluß
7 Varianten zum Selbststudium
Lernziel
In diesem Beispiel wird eine stationäre,
3-dimensionale Temperaturfeld-Berechnung durchgeführt. Die Geometrie
entspricht derjenigen von Beispiel 1. In diesem Beispiel werden die grundlegenden
Eingaben für eine Temperaturfeldberechnung behandelt.
Für die Durchführung von Beispiel
2 sehen Sie etwa 1 bis 1,5 Stunden vor.
1 Aufgabenstellung
Die zu berechnende Struktur stellt eine
etwa 2 m breite Platte dar, die einem Balkon vergleichbar ist. Die
Platte ist an einer Seite (an der Hauswand) befestigt und ragt 1 m nach
außen. Die Plattendicke beträgt am freien Außenrand
0.2 m. Die untere Seite ist gerundet, sie wird von der Außenkante
zur Hauswand hin dicker. Der Radius dieser Rundung beträgt 1.8
m.
An der Oberseite der Platte wird (durch
Sonneneinstrahlung) eine Wärmestromdichte von 200 W/m2
eingebracht. An den seitlichen Flächen und der Unterseite ist
eine konvektive Randbedingung mit einem Wärmeübergangskoeffizienten
von 10 W / (m2 K) und eine Umgebungstemperatur von 0 °C
zugrundezulegen. An der Seite, an der die Balkonplatte an die Hauswand
angrenzt, ist die Temperatur 2O°C.
2 ldealisierung
Die Aufgabe wird mit einer stationären
Temperaturfeldberechnung gelöst. Das Bauteil wird durch ein
3-dimensionales Modell abgebildet. Dazu wird ein Elementtyp verwendet,
der als Volumen definiert ist. Damit wird die gesamte Platte unter
Berücksichtigung der Einwirkungen der Plattenränder abgebildet.
Es wird ein Elementtyp mit einem relativ
einfachen Elementansatz verwendet. Jedes Element wird als Quader
mit 8 Eckknoten ausgeführt werden.
Bei der Modellerstellung wird zunächst
die seitliche Fläche festgelegt, die in Beispiel 1 das Modell darstellte,
und diese Fläche wird mit ebenen Elementen vernetzt. Anschließend
wird diese Geometrie mit dem Netz in die dritte Richtung "herausgezogen"
(extrudiert) und damit ein Volumen gebildet. Das Flächenmodell
wird anschließend inaktiviert.
3
Das Preprocessing
3.1 Jobname
Die Festlegung des Jobnamen erfolgt über
Utility Menu> File>
Change Jobname
Eintrag mit der Tastatur: Thermo
OK
3.2 Die Knoten, die Elemente und der
Elementtyp
Die Festlegung des Quadrates:
Main Menu>
Preprocessor> Create> Rectangle> By Dimensions
Xl, X2 0 1
Yl, Y2 0 1
OK
Das Quadrat in die obere linke Ecke des
Bildbereiches verkleinern und verschieben, so daß genügend Platz
entsteht, um den Kreis mit Zentrum und Außenrand zu kennzeichnen:
Utility Menu> PlotCtrls>
Pan, Zoom, Rotate
Festlegung des Kreises:
Main Menu> Preprocessor>
Create> Circle> Solid Circle
Kreiszentrum mit gedrückter linker
Maustaste positionieren auf
Global x 1
Global y -1
dann Maustaste loslassen
Randpunkt mit gedrückter Maustaste
positionieren auf
Global x 1
Global y 0.8
dann Maustaste loslassen.
OK
Sichern Sie die bisherige Arbeit mit
Toolbar> SAVE-DB
Die Boole'sche Subtraktion der Flächen:
Main Menu> Preprocessor>
Operate> Subtract> Areas
das Quadrat anpicken (die Basisfläche
für die Subtraktion)
OK
den Kreis anpicken (die Fläche, die
von der Basisfläche subtrahiert wird)
OK
Wie in der strukturmechanischen Anwendung
in Beispiel 1 wird ein Flächenelementtyp ausgewählt, hier
jedoch der Elementtyp PLANE55, der für die Berechnung von Temperaturen
geeignet ist. Diese Elemente stellen damit die Wärmeübertragungseigenschaften
eines Kontinuums dar, an den Eckknoten sind die Temperaturen die unbekannten
Größen. Das Auswählen des Elementtyps erfolgt mit
Main Menu> Preprocessor>
Element Type> Add/Edit/Delete
Add
Thermal Solid Quad
4node 55
OK
Close
Die Kriterien für die Vernetzung:
Main Menu> Preprocessor>
Shape & Size> -Lines- All Lines NDIV No. of element divisions 5
OK
Die Vernetzung:
Main Menu> Preprocessor>
Mesh> -Areas- Mapped> 3 or 4 sided Pick All
Die Geometrie und die Vernetzung der Seitenfläche
ist damit abgeschlossen.
Sichern Sie die bisherige Arbeit mit
Toolbar> SAVE-DB
Der Elementtyp der Volumenelemente repräsentiert
auch hier vergleichbar zur strukturmechanischen Anwendung, Quaderelemente
mit 8 Eckknoten. Dies ist für die Berechnung der Temperaturen
der Elementtyp SOLID70. Die Elemente stellen die Wärmeübertragungseigenschaften
eines Kontinuums dar. Die Elementtyp-Angabe erfolgt mit
Main Menu> Preprocessor>
Element Type> Add/Edit/Delete
Add
Thermal Solid Brick
8node 70
OK
Close
Main Menu> Preprocessor>
-Meshing- Attributes> Default Attribs [TYPE] Element type number 2
OK
Die Teilung in z-Richtung:
Main Menu> Preprocessor>
Shape & Size> -Global- Size
NDIV No. of element
divisions 8
OK
und das Extrudieren:
Main Menu> Preprocessor>Operate>
Extrude/Sweep> -Areas- By XYZ Offset
Pick All
DX,DY,DZ Offsets
for extrusion 0 0 2
OK
Kontrolle der Elemente:
Utility Menu> Plot>
Elements
im Pan-Zoom-Rotate-Fenster:
Iso
Sichern Sie die bisherige Arbeit mit
Toolbar> SAVE-DB
Das Entfernen der Flächenelemente:
Main Menu> Preprocessor>
Clear> Area
anpicken der zutreffenden Seitenfläche
(falls sie nicht zu sehen ist, schieben Sie mit gedrückter linker
Maustaste den Mauszeiger so lange über das Modell, bis die zutreffende
Seitenfläche eingefärbt ist, oder drehen Sie das Modell mit Pan/Zoom/Rotate)
OK
3.3 Die Materialdaten
Der für die Berechnung des Temperaturfeldes
und des Wärmedurchganges im Material maßgebende Wert ist die
Wärmeleitfähigkeit, die im ANSYS-Programm mit KXX bezeichnet
ist. Der Buchstabe K soll dabei die Wärmeleitfähigkeit
kennzeichnen, die folgenden Buchstaben XX sind ein Richtungsindex.
Die Leitfähigkeit KXX wird für alle Raumrichtungen verwendet,
wenn nicht für die anderen Raumrichtungen Zahlenwerte für KYY
(in y-Richtung) oder KZZ (in z-Richtung) vorgegeben werden. Die Eingabe
der Materialdaten erfolgt wie in der strukturmechanischen Anwednung mit
Main Menu> Preprocessor>
Material Props> Isotropic
OK
Thermal conductivity
Kxx
20
OK
4 Die Lösung
In diesem Abschnitt werden die äußeren
Einflüsse auf unsere Struktur (die festgelegten Randtemperaturen,
von außen aufgeprägte Wärmeströme, Wärmestromdichten
und konvektive Einflüsse) festgelegt und die Berechnungsaufgabe gelöst.
Main Menu> Solution>
4.1 Die Randbedingungen
Selektieren der Knoten mit dem Koordinatenwert
x= 0:
Utility Menu> Select>
Entities
Nodes
By Location
X coordinates
Min,Max 0
From Full
OK
Kontrolle:
Utility Menu> PlotCtrls>
Numbering
NODE Node numbers
on
OK
Utility Menu> Plot>
Nodes
Die Festlegung der Temperatur an diesen
Knoten erfolgt wie die mechanischen
Festhaltungen in Beispiel Strukturmechanik,
jedoch wird als der festgehaltene Freiheitsgrad die
Temperatur angegeben und hierfür
der Zahlenwert eingesetzt mit
Main Menu> Solution>
Apply> Temperature> On Nodes
Pick All
Value Temperature
Value 20
OK
Sichern Sie die bisherige Arbeit mit
Toolbar> SAVE-DB
4.2 Die Wärmestromdichte
Selektieren der Fläche an der Oberseite
für das Aufbringen der Wärmestromdichte:
Utility Menu> Plot>
Areas
Utility Menu> Select>
Entities
Areas
By Num/Pick
From Full
OK
Anpicken der Oberseite
OK
Selektieren der zugehörigen Knoten:
Utility Menu> Select>
Entities
Nodes
Attached to
Areas , all
From Full
OK
Kontrolle der Knoten:
Utility Menu> Plot>
Nodes
Das Aufbringen der Wärmestromdichte
(heat flux) erfolgt wie bei der mechanischen Flächenlast (dort war
ein Druck (pressure) eingegeben worden) mit
Main Menu> Solution>
Apply> Heat Flux> On Nodes
Pick All
VALT-TE Heat f lux
Value 2 0 0
OK
Die Wärmestromdichte ist eine Oberflächenlast
und daher auf Modell- oder Elementoberflächen aufzubringen.
Hier wurde die gewünschte Oberfläche indirekt dadurch festgelegt,
daß die Knoten selektiert wurden, die diese Oberfläche aufspannen.
Aufheben der Selektionen:
Utility Menu> Select>
Everything
Sichern Sie die bisherige Arbeit mit
Toolbar> SAVE-DB
4.3 Die Konvektion
Selektieren der konvektiv belasteten Flächen:
Utility Menu> Plot>
Areas
Utility Menu> Select>
Entities
Areas
By Num/Pick
Prom Full
OK
Nacheinander
die schmale Frontseite,
die beiden bogenberandeten
Seiten und die gekrümmte Unterseite
anpicken.
Vergleichen Sie: der Count im Pick-Fenster
muß auf 4 stehen.
OK
Die Knoten dieser Flächen:
Utility Menu> Select>
Entities
Nodes
Attached to
Areas , all
From pull
OK
Kontrolle der Knoten:
Utility Menu> Plot>
Nodes
Die Konvektion zur Umgebungsluft:
Main Menu> Solution>
Apply> Convection> on Nodes Pick All
Mit dem nun geöffneten Fenster mit
der Titelzeile Apply CONV on Nodes werden die Zahlenwerte der Konvektion
eingetragen: im Feld neben VALUE Film coefficient
(Wärmeübergangsbeiwert) wird mit der Tastatur 10
eingesetzt und im Feld neben
VALUE2 Bulk temperature
(Umgebungstemperatur) ein Zahlenwert von 0.
Dann wird auf OK geklickt. Im Grafikfenster
werden die durch die Konvektion beaufschlagten Flächen rot gekennzeichnet.
Grafische Übersicht über die
Lasten:
Utility Menu> Select>
Everything
Utility Menu>
PlotCtrls> Symbols
[/PBCI Boundary
London symbol Applied B.C.ls
[/PSF] Surface
Load Symbols Convect Fi1mCoef
Show pres
and convect as Arrows
OK
Utility Menu>
PlotCtrls> Numbering
NODE Node
numbers Off
OK
Utility Menu>
Plot> Nodes
Diese Darstellung bestätigt, daß
die Temperatur-Vorgaben und die Konvektion wie beabsichtigt aufgebracht
worden sind.
Die Kontrolle der aufgeprägten Wärmestromdichte:
Utility Menu> PlotCtrls>
Symbols
[/PBC] Boundary
London symbol Applied B.C.ls
[/PSF] Surface
Load Symbols Heat Fluxes
Show pres
and convect as Arrows
OK
Utility Menu>
Plot> Nodes
Diese Darstellung bestätigt, daß
auch die Wärmestromdichte wie beabsichtigt aufgebracht worden ist.
Sichern Sie die bisherige Arbeit mit
Toolbar> SAVE-DB
4.4 Die Berechnung des Lastfalles
Für die Berechnung dieses Lastfalles
wird
Main Menu> Solution>
-Solve- Current LS
ausgewählt. Es erscheint ein
Hinweis-Fenster mit der Titelzeile Solve Current Load Step und eine Liste
mit der Titelzeile /STAT Command. Beide Fenster informieren Über
die für dieses Beispiel eingegebenen Daten. Hier wird unter
anderem festgestellt, daß die Struktur mit einem 3-dimensionalen
Berechnungsmodell abgebildet wird. Jeder Knoten hat den Freiheitsgrad
TEMP. Es ist eine stationäre Lösung vorgesehen. Diese
Einträge bestätigen Sie mit OK.
Der Abschluß der Berechnung wird
durch ein Hinweisfeld mit dem Text solution is done! gemeldet. Durch
Anklicken von Close wird das Fenster geschlossen.
Das Fenster, das die Lösungs-Einstellungen protokollierte, kann ebenso
geschlossen werden.
5
Das Postprocessing
5.1 Die Temperaturen
Farbkontur-Darstellung der Temperaturen:
Main Menu> General
Postproc> Plot Results> Nodal Solu
DOF solution
Temperature TEMP
OK
Ausblenden der Element-Begrenzungslinien:
Utility Menu> PlotCtrls>
Style> Edge Options
[/EDGEI Plot element
outlines Edges only
Edge tolerante angle
45
OK
Utility Menu> Plot>
Replot
5.2 Die Verteilung der Wärmestromdichte
Farbkontur-Darstellung der Wärmestromdichten:
Main Menu> General
Postproc> Plot Results> Nodal Solu Flux & gradient Thermal flux TFSUM
OK
Diese Verteilung kann auch als Pfeilgrafik
verdeutlicht werden. Stellen Sie dazu zunächst die Darstellung
von Raster-Grafik auf Vektor-Grafik um mit
Utility Menu> PlotCtrls>
Device Options
schalten Sie [/DEVI]
Vector rnode (wireframe) auf On, bestätigen
Sie mit OK und
wählen Sie
Main Menu> General
Postproc>
Plot Results> -Vector
Plot- Predefined
Wählen Sie Flux
& gradient (Wärmestromdichte und Temperaturgradient) und
Thermal flux TF (Wärmestromdichte) und
klicken Sie OK an.
5.3 Der Isosurface-Plot
Die Isosur-face-Darstellungsmöglichkeit
ist insbesondere bei Temperaturfeldberechnungen wichtig, weil bei diesen
Aufgabenstellungen häufig durch innere Wärmequellen (zum Beispiel
elektrische Stromwärmeverluste) Wärmenester auftreten können.
In diesen Fällen ist es nicht ausreichend, die Temperaturen an der
Oberfläche des Volumenmodells darzustellen, sondern man muß
in das Volumen hineingehen können. Dazu sind lsosurface-Plots
(mit Translucency, also durchscheinenden Flächen) und Capped-Hidden-Plots
geeignet.
Testen Sie diese Möglichkeiten bei
diesem Modell. Schalten Sie zunächst wieder auf Raster- Plotdarstellung
mit
Utility Menu> PlotCtrls>
Device Options [/DEVI] Vector mode (wireframe) Off
OK
Die Isosurface-Plot-Einstellung:
Utility Menu> PlotCtrls>
Style> Contours> Contour Style
Style of contour
plot Isosurface
[/REPLOT] Replot
upon OK/Apply? Do not Replot
OK
Main Menu> General
Postproc> Plot Results> Nodal Solu
Dop solution
Temperature TEMP
OK
Sie sehen innerhalb des Modellvolumens
farbige Flächen, die jeweils die Begrenzung von Bereichen bestimmter
Temperaturwerte darstellen. Mit der Grafiksteuerung Dynamic Mode
(im Fenster Pan-Zoom-Rotate) kann jetzt besonders deutlich auch im Inneren
des Modells die Temperaturverteilung erkannt und beurteilt werden. (Die
Handhabung der Grafiksteuerung mit dem Dynamic Mode war in Beispiel 1 beschrieben
worden.)
Zurückstellen der Isosurface-Plot-Einstellung:
Utility Menu> PlotCtrls>
Style> Contours> Contour Style
Style of contour
plot
Normal
[/REPLOTI Replot
upon OK/Apply? Do not Replot
OK
6 Abschluß
Zur Fortsetzung der Arbeit mit anderen
Beispielen des Teils IV müssen Sie zunächst das gerade abgeschlossene
Modell löschen. Das Löschen des gerade abgeschlossenen
Modells erfolgt über
Utility Menu> File>
Clear & Start New
OK
YES
Sie können nun mit einem anderen Beispiel
beginnen und das ANSYS/ED-Menü weiter verwenden.
7
Varianten zum Selbststudium
Als Variante zum Selbststudium verwenden
Sie bei diesem Beispiel die gleiche Geometrie, bringen Sie jedoch die Wärmestromdichte
nur auf einen Teil der Oberfläche auf. Beachten Sie die geänderte
Temperaturverteilung über der Länge des Balkons.
Hinweis:
Nachdem in Abschnitt 5.2 die Fläche
des Modells, die die Oberfläche bildet, selektiert wurde und anschließend
die zu dieser Fläche gehörenden Knoten, führen Sie noch
eine weitere Selektion aus. Dazu verwenden Sie zum Beispiel das Kriterium
"alle Knoten mit einer z-Koordinate zwischen 0 und 1.5" und schalten Reselect
ein (damit wird diese Selektion auf die bereits vorher selektierten Knoten
angewendet). Kontrollieren Sie das Ergebnis grafisch (aus verschiedenen
Blickrichtungen) und anhand einer Liste der Knotenkoordinaten (utility
Menu> List> Nodes). Vergewissern Sie sich, daß alle Knoten
einen y-Koordinatenwert y = 0 und einen z-Koordinatenwert 0 < z <
1.5 haben.
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