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Davon betroffen sind Lebensmittel, Pharmazeutische Produkte und
Kosmetika, Chemische Produkte, Betriebsstoffe (Kühlmittel, Bremsflüssigkeit,
...), Elektrische Betriebsmittel (Akkumulatoren, Batterien, ...) und
vieles mehr. Die Problematik ist altbekannt.
Vielfältige Lösungsansätze wurden zu allen Zeiten entwickelt
und sind im Einsatz. Moderne Warenwirtschaftssysteme enthalten Module
zur Berechnung des Bedarfs. Dennoch werden Bedarfsprognosen vielerorts
als Schätzungen abgegeben. Diese Schätzungen sind allerdings keine
„Kaffeesatzleserei, sondern beruhen auf den Erfahrungen und dem
„gesunden Menschenverstand“ altgedienter Fachleute. Von ebenso großer
Bedeutung ist das Insiderwissen dieser Leute. Mit wachsender
Konzentrierung von z.B. Bäckereien zu Backfabriken und angeschlossenen
Vertriebsboutiquen geht aber der Erfahrungsschatz des Bäckers, der über
Jahre, möglicherweise über mehrere Generationen in seinem Stadtviertel
oder Dorf erworben wurde, wenn auch langsam, verloren.
Ziel der Forschung ist die Entwicklung eines Verfahrens mit dem Verluste
infolge ungenauer Bedarfberechnungen minimiert werden. Die o.g.
Erfahrungswerte finden darin ebenso Berücksichtigung, wie mathematische
Verfahren der schließenden Statistik.
Als erste Forschungsobjekte wurden Lebensmittel (hier Apfel- bzw. Quartaschen) ausgewählt, die bei Nichtverkauf am Ende des Herstellungstages vernichtet werden müssen. Der Zeitraum der Untersuchung der Umsatzdaten dieser Backwaren in einer Verkaufsfiliale einer Großbäckerei betrug 19 Wochen. Inzwischen erstreckt sich der Zeitraum der Forschung über mehr als 3 Jahre.
Aus diesen Daten müssen nun Informationen über das Kaufverhalten, die
Struktur (Struktur, bestehend aus vier Grundkomponenten; Quelle: „Marktentwicklung
durch Prognoseverfahren antizipieren – Managementunterstützung für
Planung und Steuerung; THEXIS 2 2002,IMH-HSG, CH-St.Gallen),
gewonnen werden. Es wird versucht ein Grundbedarf (Zykluskomponente) zu
ermitteln, zusätzlich saisonbedingte Schwankungen (Saisonkomponente) zu
erkennen, Umsatzspitzen (irreguläre Komponente) zu erklären und Trends
(Trendkomponente) im Kaufverhalten frühzeitig zu erkennen.
Bereits bei erster Betrachtung wird deutlich, dass von einem gleichen
oder annähernd gleichen Umsatz der untersuchten Produkte nicht
ausgegangen werden kann. Schwankungen treten zwischen unterschiedlichen
Wochentagen (Montag, Dienstag, ...) und zwischen gleichen Wochentagen
(Montag 1. Woche, Montag 2. Woche, ...) auf. Im Wochenverlauf kann man
eine Steigerung des Umsatzes gegen Wochenende hin erkennen. Ursache ist
die Gewohnheit, an Samstagen und Sonntagen Kuchen und Süßspeisen zu
verzehren. Dies bestätigt sich insbesondere bei der Betrachtung der
Mittelwerte des Umsatzes aller gleichen Wochentage. Zusätzlich werden
jeweils dienstags und mittwochs stärkere Umsätze gemessen. Hierbei
kann von ähnlichem Gewohnheitsverhalten ausgegangen werden.
Besonders auffällig ist ein Umsatzanstieg in der 10. Erhebungswoche
(35. KW). Dieser hat mehrere Ursachen:
Die 10. und 11. Erhebungswoche sind identisch mit den zwei Wochen der
Sommerferien 2003 in Bayern. Menschen kehren aus dem Urlaub heim und
besuchen „Daheimgebliebene“ oder laden Freunde und Verwandte ein, um
von ihren Ferien zu berichten. Dabei wird gewöhnlich u.a. auch Kuchen
verzehrt, wenngleich der Umsatz an Getränken und Grillgut aus gleichem
Anlass noch höher sein dürfte.
Am 29. August 2003 - das ist der Freitag der 10. Erhebungswoche –
begann die Regensburger Herbstdult. Das Volksfest endete 14. September
2003. Das deckt sich mit dem Ende der 10. ,
der gesamten 11. und 12. Erhebungswoche. Die Dult zieht verstärkt
Menschen aus dem Umland an, die diesen Besuch u.U. mit Einkäufen
verbinden. Es kann davon ausgegangen werden, dass dabei auch Kuchen
gekauft wird. Andrerseits decken sich Menschen, die in der Stadt leben,
weil sie Gäste erwarten, mit denen sie gemeinsam das Fest besuchen
wollen, gewöhnlich auch mit Kuchen ein.
Die Monate September und Oktober gelten seit je her als geburtenstark
(Quelle:
Telefonische Auskunft Krankenhaus St. Hedwig in Regensburg; Abteilung
Geburtshilfe; 10. Dezember 2003). Eine gewöhnliche Schwangerschaft dauert bei fast
zwei Drittel (64%) der Neugeborenen 40 bis 41 Wochen. (Quelle:
DOGMATISCHE Daten TIROL, Amt der Tiroler Landesregierung, Innsbruck,
September 2003).
Die betreffenden Geburtstage liegen zwischen dem Beginn der 39-sten und
dem Ende der 42-sten Kalenderwoche. Tatsächlich übersteigt der Umsatz
den Durchschnitt in der 14-ten bis 17-ten Erhebungswoche an 22 von 30
Tagen um ca. 20%.
Weitere Umsatzspitzen kommen an Tagen vor, an denen regionale
Veranstaltungen als Publikumsmagnet wirkten. Es kann davon ausgegangen
werden, dass deren Besuch zu einer erhöhten „Mitnahme“ von Kuchen führt.
Verglichen werden ebenfalls die Festtagskalender der Kirchen und
Religionen, sowie Namenstage und stattliche Feiertage der stärksten,
ortsansässigen Nationalitätengruppen. Ebenso gehen Temperatur- und
Niederschlagsdaten des Deutschen Wetterdienstes in die Untersuchung ein.
In weiteren Untersuchungen werden Infrastrukturdaten berücksichtigt.
Die Lage einer Verkaufsfiliale z.B. in der Nähe einer Bushaltestelle,
eines Parkplatzes oder nahe einer Schule oder eines Krankenhauses wirken
sich auf den Umsatz aus und müssen für eine Umsatzprognose berücksichtigt
werden. Ebenso werden Erkenntnisse über den Effekt eigener
Werbeaktionen oder denen benachbarter Geschäfte (Mitnahmeeffekt) oder
der Wettbewerber berücksichtigt.
Je mehr Indikatoren man bei der Untersuchung der Umsatzzahlen
identifizieren kann, um so hochwertiger wird das Prognosewerkzeug.
Es ist von größter Bedeutung, dass das Prognosewerkzeug interaktiv
ausgelegt wird – das Vorhandensein einer modernen EDV wird
vorausgesetzt. Dadurch kann
das System dem Nutzer angepasst werden (regionale Bedingungen, wie
Infrastruktur, Kultur, etc.), dessen Erfahrungen sowie Insiderwissen
eingegeben, Marketingaktionen und andere beeinflussende Faktoren erfasst
und somit berücksichtigt werden. Mit der Möglichkeit Daten
hinsichtlich Alter oder Herkunft zu gewichten und entsprechend in der
Erstellung der Prognose zu berücksichtigen – beispielsweise durch
eine selbstlernende Komponente - wird
das Durchspielen verschiedener Szenarien ermöglicht. Das aus der Sicht
des Praktikers - der Autor verfügt selbst über mehr als 15 Jahre
Vertriebserfahrung in der IT-Branche – mindestens ebenso wichtig, wie
der Zugriff auf Datenbanken mit Expertenwissen und Insiderwissen sowie
einer möglichst lückenlosen Verkaufhistorie. Bei aller anzustrebenden
mathematischen Genauigkeit darf nicht vergessen werden, dass ein
Prognosewerkzeug eben ein Werkzeug für die Praxis, wie die Zange für
den Zimmermann, einfach zu bedienen und mit einer ganz bestimmten
Aufgabe versehen, ist und kein Selbstzweck.
Dass dahinter u.U. das traditionelle Komponentenmodell in
Kombination mit Verfahren wie dem „Exponential Smoothing“, sowie
selbstlernende Datenbanken - möglicherweise unter Zuhilfenahme
„Neuronaler Netze“ - stehen, ist für den durchschnittlichen
Anwender ebenso uninteressant, wie die quantenphysikalischen Vorgänge,
die zum Bindungsverhalten der Moleküle in einer Kneifzange führen,
beim größten Teil aller Zimmerleute Interesse wecken. Der Nutzer wird,
berechtigterweise, fragen: „Was tut das Ding für mich?“ ; nicht
„Woraus besteht das Ding?“ Ebenso
wenig wird er bereit sein, eine zeitaufwendige Einarbeitung oder
Programmierung hinzunehmen. Der Erfolg des Prognosewerkzeuges hängt
somit nicht nur von der Qualität im Zeitpunkt der Fertigstellung ab,
sondern gleichermaßen von einem kompetenten „Life-Cycle-Management“. |
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